Virale Lerneffekte: Was bleibt, wenn Corona geht?

02.06.2020 12:09

Die Lockerungen nach dem Höhepunkt der Corona-Krise lassen Österreich aufatmen. Einzelne Entwicklungen im Angesicht der Krise haben auch Positives zu Tage gebracht und könnten die Arbeitswelt dauerhaft verändert haben.

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Das Virus. Es bedeutet in erster Linie Krankheit und Leid, in zweiter Linie wirtschaftliche Einbußen und Existenzängste. Selbst die Glücklichsten, die ihren Job in der Krise und darüber hinaus ausüben konnten und können, haben schwierige Bedingungen durchgestanden und sich auf viel Neues einstellen müssen.

Werden manche dieser unter Hochdruck entstandenen Krisen-Lösungen zumindest über die Ausnahme-Situation hinaus von Wert sein? Haben wir arbeitstechnisch „Antikörper“ entwickelt, die uns für die Zukunft rüsten?

Die Corona-Krise gibt der Digitalisierung einen Schub

Auf einmal war es möglich. Gezielte Task-Force-Meetings, teilnehmerstarke Konferenzen, alltägliche Jour-fixes – alles via Telekommunikation im digitalen Besprechungs-Raum. Der geteilte Zugriff auf Dokumente und Projektdaten fand vielfach über Cloud-Dienste statt. Serverkapazitäten wurden erweitert, neue Komponenten installiert und aktualisierte Prozessabläufe zügig eingeführt. Auf einmal musste alles ganz schnell gehen. In Windeseile verwandelten sich Lösungen der Digitalisierung vom futuristischen Schnickschnack zur überlebensnotwendigen State-of-the-art-Infrastruktur.

Das ist ein Schritt, der nicht nur in den technischen Anpassungen vollzogen wurde, sondern vor allem auch in den Köpfen der Menschen. Eine Hemmschwelle wurde überwunden – und das lässt sich nicht mehr ungeschehen machen. Dieser Vorwärtsschritt, dieser Schub in der Digitalisierung des täglichen Arbeitens wird vielerorts bleiben und auch über die Corona-Krise hinaus zahlreiche Prozesse bereichern.

Corona fördert die Option auf mehr Tage im Home-Office

Nachdem die digitale Infrastruktur geschaffen war, die Cyber-Security-Maßnahmen angepasst und die Vorgehensweisen zur Zeiterfassung neu geregelt waren, erschien Home-Office wie die natürlichste Sache der Welt. Für viele Firmen war es das auch schon vor der Krise, aber im Zuge des Lockdowns hat sich gezeigt, wie umfangreich sich diese Option ausbreiten lässt – wenn man es denn möchte. Corona hat gezeigt, was möglich ist. Und auch dieses Wissen wird sich nicht mehr so leicht ausradieren lassen.

Bei weitem nicht jeder im Home-Office Tätige hat seine neue Arbeitsumgebung genossen. Die erfahrene Flexibilität hat jedoch ihren Reiz und könnte in Zukunft durchaus häufiger auf der Wunschliste von Arbeitnehmern stehen. Die Option auf mehr Tage im Home-Office hat durchaus das Potenzial, aus dem Topf der Krisen-Lösungen in Corona-Zeiten aufzusteigen zu einem bleibenden Vorteil.

Die Krise steigerte die Effizienz beim Entscheiden und Handeln

Lösungsfindung, Freigabenerteilung und Umsetzungstempo waren in vielen Bereichen bemerkenswert. Natürlich erwuchs diese gesteigerte Effizienz aus einer erzwungenen Priorisierung. Köpfe und Kräfte werden außerhalb der Krisenzeiten wieder auf unterschiedliche Projekte und Zielvorgaben verteilt sein. Auch wenn das Gerangel um geteilte Ressourcen im Normalbetrieb nachvollziehbar und verständlich ist, so haben Belegschaften doch gesehen, was möglich ist. Sie haben gesehen, wie unbürokratisch, einfach und schnell Entscheidungen getroffen werden können. Ein Wissen, das vielleicht eine neue Erwartungshaltung bei den Arbeitnehmern hinterlässt. Auch Arbeitgeber und Management haben erlebt, wie ergiebig der fokussierte Einsatz von Kräften gewirkt hat.

Am Ende lässt sich sagen: Nicht nur Infrastrukturen wurden erweitert, auch die Vorstellungskraft dessen, was in kurzer Zeit geleistet werden kann, wenn bürokratische Entscheidungsprozesse „durchgeputzt“ werden. Ein kleines Stück mehr Agilität könnte auch für die Zeit nach der Corona-Krise erhalten bleiben.

Corona brachte auch mehr Raum und Rücksichtnahme

Die Krise schaffte nicht nur räumliche Distanz. Sie bewirkte ebenso eine neue Nähe. Eine Kultur des Zusammenhalts und bestärkten Miteinanders bekam Rückenwind. Wie bereits beim Digitalisierungsschub und bei der ausgedehnten örtlichen Flexibilität gilt auch hier: Dieser Trend wurde nicht neu geschaffen. Schon seit geraumer Zeit vor der Krise gewann das Thema Unternehmenskultur mehr und mehr an Bedeutung. Die Krise aber hat eine Beschleunigung herbeigeführt, einen Sprung bewirkt. Mehr Raum und Rücksichtnahme für alle – das ist doch ein Fortschritt, der hoffentlich bleiben wird.

Welches Teilstück aus der Zeit der Corona-Krise hat für dich Wert und soll aus deiner Sicht beibehalten werden?

 

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